Wasserwerke und Stadtwerke stehen regelmäßig vor derselben Aufgabe: Anlagen und Leitungen müssen zuverlässig inspiziert werden, ohne die Versorgung zu gefährden. Bei der CRP Runde am vergangenen Freitag stellte Kai Lange, Betriebsingenieur im Wasserwerk Haltern von Gelsenwasser, das interne Forschungsprojekt Nautilus vor. Im Mittelpunkt steht die optische Inspektion von Wasserversorgungsanlagen im laufenden Betrieb mit Unterwasserdrohnen, auch ROV genannt.
Die Motivation hinter Nautilus ist klar: Zustände prüfen, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Das spart Zeit und Kosten und vermeidet Maßnahmen wie das Entleeren von Rohrleitungen oder Behältern. Gleichzeitig bleiben die Anforderungen hoch, weil im laufenden Betrieb Sicherheitsfragen, die Zugänglichkeit von Leitungen und Behältern und Hygieneaspekte berücksichtigt werden müssen.
Gelsenwasser startete mit einer ersten Drohne. Gute Kameraqualität und operative Erfolge - ein Wurzeleinbruch wurde in einer Rohwasserleitung gefunden. Allerdings auch technische Grenzen beim Einsatz der Drohe. Sie konnte nur vorwärts fahren und war nicht für alle Einsätze im laufenden Betrieb geeignet. Im weiteren Verlauf wurde sie in eine Rohwasser- und Betriebswasserdrohne umgewandelt, mit strikter Trennung vom Trinkwasser.
In dieser Rolle konnten unter anderem Kavitationsschäden an Pumpenschaufeln identifiziert werden, was Fördermengeneinbußen erklärte. Außerdem wurde eine Schadensstelle an einer Leitung im Stausee Haltern lokalisiert, bei der ein Holzstück ein Metallrohr durchbohrt hatte.
Aus den Erfahrungen leiteten die Beteiligten klare Anforderungen an die nächste Generation ab:
In der Praxis wurden DN 1800 Leitungen über mehr als 200 Meter befahren. Die Systeme sind kabelgebunden, mit einer Reichweite von knapp 300 Metern.
Ein Schwerpunkt liegt auf Hygiene. Nautilus setzt hier auf intensive Zusammenarbeit mit dem Labor und eine strikte Trennung zwischen Rohwasser und Betriebswasser auf der einen Seite und Trinkwasser auf der anderen. Bei Trinkwassereinsätzen kommt Vollschutz Arbeitskleidung zum Einsatz.
Außerdem wurden als Ziele genannt: ein fixes Hygienekonzept in Abstimmung mit Gesundheitsämtern, standardisierte Arbeitspakete für schnelle Einsätze und ein perspektivisches Dienstleistungsangebot für andere Kommunen, etwa für Behälter und Leitungsbefahrungen.
Der Einsatzbereich ist ab DN 1000 möglich, wenn der Zugang über geöffnete Schieber oder Armaturen möglich ist. Kleinere Dimensionen wie DN 600 können grundsätzlich möglich sein, müssen aber im Einzelfall geprüft werden. Entscheidend sind gerade Strecken und die Zugänglichkeit.
Die Drohnen sind einsatzbereit bis 150 Meter Tiefe.
In der Diskussion kam auch der Einsatz bei Fernwärme und Gasleitungen auf, unter anderem mit Blick auf hohe Temperaturen und hohen Druck. Hersteller entwickeln bislang keine Drohnen für sehr hohe Drücke, zudem ist hier ATEX nötig.
Die Präsentation zum Vortrag wird verteilt. Da die Originaldatei über 1 GB mit Videos umfasst, wird sie reduziert oder als Link bereitgestellt.
Nächsten Freitag präsentiert Jochen Crombach Updates zu Felix mit Neuigkeiten. https://www.linkedin.com/events/7439289618572812289?viewAsMember=true
Die CRP Anwenderrunden bieten regelmäßig Raum für Praxisbeispiele und Austausch zu Themen wie Inspektion, Betriebssicherheit und Standardisierung in EVUs.
Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen und an die Referenten, insbesondere an Kai Lange für die Einblicke in Nautilus.
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