Im Netzbau entscheidet nicht die Anzahl digitaler Werkzeuge über Effizienz, sondern deren Zusammenspiel. Prozesse funktionieren nur dann wirklich durchgängig, wenn Daten ohne Medienbrüche vom Büro auf die Baustelle gelangen – und anschließend strukturiert, prüfbar und abrechnungsfähig wieder zurückkommen.

Genau diesen Anspruch adressiert die Integration von Felix / Workform mit der Vermessungs- und Prozessplattform Vaira. In einer gemeinsamen Demo wurde skizziert, wie sich Netzbauaufträge vollständig digital abwickeln lassen – vom ersten Auftrag bis zum bewerteten Aufmaß im System von CRP Informationssysteme GmbH.

Die Datenerzeugung und -übernahme wurde dabei live gezeigt. Die automatisierte Erzeugung des Aufmaßes wird bis Jahresmitte umgesetzt.


Ausgangspunkt: Wo klassische Netzbauprozesse an Grenzen stoßen

Planung, Bauausführung, Vermessung, Dokumentation und Abrechnung sind im Netzbau eng miteinander verzahnt – werden in der Praxis aber häufig mit getrennten Werkzeugen bearbeitet. Potentielle Folgen sind:

  • doppelte Datenerfassung
  • manuelle Nacharbeiten im Büro
  • Verzögerungen in der Abrechnung
  • eingeschränkte Prüfbarkeit von Aufmaßen

Die zentrale Frage lautet daher nicht: Wie messe ich digital?

Sondern: Wie werden Vermessungs- und Leistungsdaten so erfasst, dass sie im Abrechnungssystem direkt nutzbar sind?

Spoiler: Auch diese Liste ist natürlich nicht vollständig. Einige unserer Kunden denken schon viel weiter.


Kerngedanke der Integration: Rückführbarkeit statt Datensammlung

Ein zentrales Ergebnis der Demo:

Digitale Vermessung entfaltet ihren Mehrwert erst dann vollständig, wenn die Daten nicht nur erfasst, sondern strukturiert zurückgeführt werden.

Im Zusammenspiel von Felix / Workform und Vaira bedeutet das:

  • Vermessungen sind LV-bezogen, nicht isoliert
  • Geometrien sind systematisch zugeordnet
  • Ergebnisse sind abrechnungsnah, nicht nur dokumentativ

Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Baustellendokumentation hin zu einem prozessualen Gesamtbild, das im Büro direkt weiterverarbeitet werden kann.


Wie der durchgängige Prozess praktisch aussieht (ohne Medienbrüche)

Statt eines linearen Tool-Wechsels wurde ein integrierter Kreislauf gezeigt:

  • Netzbauaufträge werden in Felix / Workform angelegt und an Vaira übergeben
  • Die Baustelle arbeitet mobil mit diesen Aufträgen weiter
  • Leistungen und Vermessungen werden direkt mit LV-Bezug erfasst
  • Nach der Synchronisation stehen alle Daten wieder im Büro zur Verfügung

Entscheidend dabei:

Die Rückübertragung liefert nicht nur Dateien, sondern strukturierte Informationen, die unmittelbar als Grundlage für ein prüfbares Aufmaß dienen können.


Vermessung im Feld: ein Werkzeug, mehrere Genauigkeitsstufen

Ein weiterer Schwerpunkt der Demo war die Flexibilität der Vermessung. Vaira stellt dafür drei Ansätze bereit, die sich je nach Einsatz kombinieren lassen:

  • AR-Vermessung per Smartphone

    Offlinefähig, ohne Zusatzhardware, DVGW-zugelassen für einfache Aufgaben.

  • RTK-/GPS-gestützte Vermessung

    Zentimetergenauigkeit über gekoppelte Antennen – geeignet für größere Trassen.

  • 3D-Scan / Structure-from-Motion

    Punktwolkenbasierte Dokumentation mit Reichweiten bis ca. 100–200 m; mit RTK auch zentimetergenau georeferenziert.

Damit lassen sich sowohl einfache als auch anspruchsvolle Netzbauprojekte mit einem integrierten Werkzeugansatz abdecken.


Ergebnis im Büro: Daten, die abrechnungsfähig sind

Nach der Rückübertragung in Felix / Workform stehen unter anderem zur Verfügung:

  • georeferenzierte Leitungs- und Flächendarstellungen

  • Zuordnungen von Geometrien zu LV-Positionen (m, m², Stück)

  • Fotodokumentation als Bestandteil des Aufmaßes

  • strukturierte Exporte (ZIP, CSV)

  • Ausgabeformate wie PDF-Skizzen, Koordinatenlisten, DXF, Shape und CSV

    – inklusive Transformation und korrektem Höhenreferenzsystem

Der entscheidende Punkt:

Die Daten sind nicht nachgelagert aufzubereiten, sondern systemisch nutzbar.

Nächster Schritt ist, dass hieraus ein automatisiertes Aufmaß entsteht.

Dies ist hierbei natürlich nicht nur im Zusammenspiel Vaira und Felix möglich. Vaira kann auch Daten für andere Systeme liefern und Felix kann aus anderen Vermessungsapps strukturierte Daten entgegennehmen.


Blick nach vorn: Automatisierung mit kontrollierter Freigabe

In der Diskussion wurde deutlich, wohin die Entwicklung zielt:

  • automatisierte Leistungsabrechnung auf Basis von Vermessungsdaten
  • Unterstützung durch Machine Learning zur Abweichungserkennung
  • bewusster Man-in-the-Loop für finale Prüfung und Freigabe

Gerade für EVUs bleibt die fachliche Kontrolle vor der Rechnungsstellung ein zentraler Bestandteil – auch in hochgradig digitalisierten Prozessen.


Einordnung für Stadtwerke und Netzbetreiber

Für die Praxis lassen sich drei klare Erkenntnisse festhalten:

  1. Durchgängige Prozesse sind heute realistisch umsetzbar.
  2. Der Nutzen entsteht im Prozessdesign, nicht allein in der Technik.
  3. Konfiguration schlägt Individualentwicklung – Schnittstellen und Formulare lassen sich mit Standardmitteln anpassen.

Weitere Informationen und Aufzeichnung

Die vollständige Aufzeichnung des Webseminars ist auf YouTube verfügbar:

https://www.youtube.com/watch?v=k7DgzuLZvlg

Vielen Dank an Jochen Crombach (CRP) und Max Erdmann (Vaira) für die praxisnahe Demo und den offenen Austausch.


Zum Schluss: Austauschformate bei CRP