Neuordnung Felix-Modelle mit KI: Wie bei den Stadtwerken Bielefeld aus 15 Fernwärme-Modellen 9 wurden

Kalkulationsmodelle entwickeln sich, insbesondere durch Anpassungen an Leistungsverzeichnisse. In der CRP Anwenderrunde am 25. September 2026 hat Dieter Knussmann beispielhaft gezeigt, wie sich eine solche Landschaft mit Unterstützung von KI neu ordnen lässt. Grundlage war ein Projekt im Bereich Fernwärme bei den Stadtwerken Bielefeld.

Modelle in Felix bilden typische Bauabläufe ab. Aus wenigen Eingaben wie einer Trassenlänge berechnet ein Modell automatisch die passenden Positionen aus dem Leistungsverzeichnis (LV), also der Liste aller vertraglich vereinbarten Leistungen mit ihren Preisen. Je klarer die Modelle aufgebaut sind, desto schneller und fehlerfreier wird kalkuliert und beauftragt.

Ausgangslage: 15 Modelldateien für die Fernwärme

Die Stadtwerke Bielefeld arbeiteten im Bereich Fernwärme mit 15 Modelldateien, gegliedert nach LV-Gruppen. Ziel war eine Konsolidierung in ein Tiefbaumodell und ein Rohrbaumodell. Im Projektverlauf zeigte sich, dass eine strikte Zwei-Modell-Lösung in der Praxis kaum bedienbar gewesen wäre. Deshalb wurde ein praxisorientierter Mittelweg gewählt.

CRP hat dabei die neuen Modelle auf Grundlage der vorhandenen Modelle, des LVs und beispielhafter Daten im Internet erarbeitet.

Wie wurde die KI im Projekt eingesetzt?

Die KI übernahm mehrere Aufgaben, die sonst viel manuelle Analysearbeit erfordern:

  • Strukturanalyse: Auswertung der bestehenden Modelle und LV-Daten, Aufbereitung in Tabellen und Vorschläge zur Verdichtung
  • Plausibilitätsprüfung mit externen Quellen: Abgleich mit dokumentierten Fernwärmetrassen-Bauprojekten aus Braunschweig, Hamburg, Cottbus, Kempten und Mainz
  • Abgleich mit dem realen Bauablauf: Prüfung, ob die Modellstruktur der tatsächlichen Arbeitsweise einer Arbeitskolonne entspricht
  • Lernbasis aus eigenen Projekten: Einbezug bestehender interner Mustermodelle aus früheren Projekten

Der intern genutzte KI-Zugang wurde über rund ein Jahr mit firmeninternem Wissen trainiert. Die Analysen stützten sich damit auf mehr als allgemein verfügbare Informationen aus dem Internet.

Ein Kernelement der neuen Struktur ist der Materialschalter. Viele Leistungen im Fernwärmebau gibt es in zwei Varianten: „mit Material", also Liefern und Montieren, oder „ohne Material", also nur Montieren, etwa wenn das Stadtwerk das Material beistellt. Bisher führte das häufig zu getrennten Modelldateien.

In den neuen Modellen entscheidet ein einzelner Schalter, welche Variante gilt. Felix zieht dann automatisch die passenden Positionen und Preise. Die Zahl der Dateien sinkt, und die Pflege wird deutlich einfacher.

Ergebnis: 9 zweckgebundene Modelle

Aus 15 fragmentierten Dateien wurden 9 klar abgegrenzte Modelle:

Rohrbau (6 Modelle)

  • Rohrverlegung Kunststoffmantelrohr (KMR)
  • Armaturen und Flansche
  • Schweißen und Schneiden
  • Prüfungen
  • Zubehör
  • Hilfsbauwerke, Mantelrohr und Isolierung

Tiefbau (3 Modelle)

  • Leitungsgraben
  • Baugrube
  • Gussasphaltreparatur

Die Qualitätssicherung lief in mehreren Stufen. Alle Modelle wurden gegen das LV auf Vollständigkeit geprüft. Dabei wurde sichergestellt, dass keine erfundenen Positionsnummern enthalten sind, keine Lücken oder Doppelungen bestehen und die Rechenlogik stimmt.

Live-Demo: Von der Trassenlänge zur Kalkulation

In der Demo wurde ein Modell bewusst im bisherigen Format gezeigt, damit die komplette Rechenmechanik erhalten bleibt. Nach Eingabe der Trassenlänge berechnet Felix automatisch Stangenlängen, Schweißverbindungen, Bögen und weitere Positionen. Beim Umschalten des Materialschalters änderten sich die gezogenen Positionen und Preise korrekt. Eine Beispielkalkulation über rund 20 Meter Trasse wurde von den Teilnehmenden als realistisch eingeschätzt.

Was die Diskussion gezeigt hat

Die Stadtwerke Bielefeld bewerteten das Ergebnis sehr positiv. Besonders hilfreich war, dass die neuen Modelle ausschließlich aus LV-Dateien und vorhandenen Modellen entstanden sind.

Aus Würzburg wurde eine ähnliche Ausgangslage geschildert, mit KMR- und Dampfnetz sowie Materialbeistellung. Ein eigener Konsolidierungsversuch war dort bisher an Modellgröße und Performance gescheitert. KI wurde als Werkzeug für Ideen und Brainstorming positiv bewertet, der Prüfaufwand ist aus Sicht von Würzburg noch offen.

Die Wiener Netze [FREIGABE ERFOLGT?] sehen Potenzial, große Modelle mit rund 3.600 Leistungspositionen und 1.500 bis 2.000 Positionszeilen per KI auf Korrektheit prüfen zu lassen. Die Frage, welche KI-Werkzeuge im Unternehmen eingesetzt werden dürfen, ist dort ein begrenzender Faktor.

Der Konsens der Runde war eindeutig: KI ersetzt kein Expertenwissen. Sie liefert Hinweise, beschleunigt Analysen und reduziert Routinearbeit. Das Fachwissen im Netzbau bleibt unverzichtbar, gerade bei der Prüfung der Ergebnisse.

Ausblick: Neue LVs und KI direkt in Felix

Als nächster Schritt sollen die Modelle auf neue Leistungsverzeichnisse umgestellt werden. Auch hier kann KI unterstützen, etwa beim Mapping zwischen unterschiedlichen LV-Logiken. Beispiele sind Meter- gegenüber Kubikmeterpositionen oder die frühere Einteilung in Bodenklassen gegenüber den heutigen Homogenbereichen nach VOB/C.

Perspektivisch ist eine Chatbot-Integration in Felix geplant, die Anwender direkt bei der Arbeit unterstützt Voraussetzung für jede KI-Einbindung in Felix sind Transparenz und die Zustimmung der jeweiligen Stadtwerke.

CRP Anwenderrunden, Newsletter und LinkedIn

Die CRP Anwenderrunden bieten regelmäßig Raum für Praxisbeispiele und Austausch zu Themen wie Modellentwicklung und KI-Unterstützung in EVUs und Stadtwerken.

Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen, insbesondere an die Stadtwerke Bielefeld für die Bereitschaft, ihr Fernwärme-Projekt als Praxisbeispiel zur Verfügung zu stellen.

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