Wer Staffelpreise im Leistungsverzeichnis hat, kennt das Problem: Volumen oder Fläche ausrechnen, die richtige Position suchen, den passenden Preis zuordnen – alles manuell, alles fehleranfällig. Bei der CRP Anwenderrunde am 10. April zeigte Herr Gerzen von den Stadtwerken Lünen, wie das mit Dummy-Positionen in Felix vollständig automatisiert werden kann.

Wo Staffelpreise bei Stadtwerken Lünen zum Einsatz kommen

Im Standardleistungsverzeichnis der Stadtwerke Lünen sind Staffelpreise für zwei Bereiche vereinbart: Asphaltpositionen und Bodenaushub. Beim Asphalt – Decke einbauen, Tragschicht einbauen, Gussasphalt – wird nach Quadratmeterfläche gestaffelt: bis 10 m², 10 bis 50 m² und über 50 m². Beim Bodenaushub gibt es eine doppelte Staffelung: nach Regelbreite (bis 30 cm, 30–60 cm, 60 cm–1 m, über 1 m) und nach Volumen (bis 5 m³, 5–20 m³, 20–50 m³, über 50 m³). Pflasterflächen und Bordsteine wurden früher ebenfalls gestaffelt, inzwischen aber vereinfacht.

Technische Umsetzung: Dummy-Positionen als Schaltzentrale

Die Einrichtung erfolgt einmalig in den Stammdaten. Zuerst werden unter „Leistungen" Dummy-Positionen angelegt – eine pro gestaffelter Leistung. Diese Dummy-Positionen haben selbst keinen Preis. Über „Staffelpositionen" werden ihnen dann die echten Positionen mit Minimal- und Maximalwerten zugeordnet. Die echten Positionen enthalten die jeweiligen Staffelpreise.

Im Projekt muss danach nur noch die Dummy-Position befüllt werden: Länge und Breite eingeben, Felix berechnet die Quadratmeter und wählt automatisch die korrekte Staffelposition mit dem richtigen Preis. Kein manuelles Rechnen, keine falsche Positionsauswahl.

Austausch: Wie andere Stadtwerke das Thema lösen

Die Runde zeigte, dass ähnliche Anforderungen sehr unterschiedlich umgesetzt werden. Die Wiener Netze arbeiten auch mit Staffelungen nach Baustellenlängen (0–2,5 m, 2,5–20 m, 20–50 m, 50–200 m), steuern die Preisänderung aber über Erfassungsgruppen-Kategorien statt über separate Positionen. Bei anderen Stadtwerken / Energieversorgern wird ganz ohne Staffelpositionen gearbeitet.

Die wichtigste Voraussetzung brachte Herr Gerzen selbst auf den Punkt: Staffelpositionen in Felix setzen Staffelpreise im Leistungsverzeichnis voraus. Wer sie dort nicht vereinbart hat, braucht die Funktion nicht – wer sie hat, spart mit Dummy-Positionen erheblich Aufwand.

Abrechnungsmodell T4: Tiefbau strukturiert erfassen

Herr Gerzen stellte außerdem das interne Abrechnungsmodell T4 vor, das bei den Stadtwerken Lünen für alle Tiefbauleistungen genutzt wird. Das Modell führt von oben nach unten durch die Erfassung: Bagger- oder Handschachtung, dann Länge, Breite, Tiefe, Zulagen – und berechnet alles automatisch im Hintergrund. Seltene Einzelpositionen wie ein Mauerdurchbruch können über die Zusatzerfassung ergänzt werden. Das Modell wurde selbst erstellt und lässt sich über den Modelldesigner eigenständig pflegen.

Kalkulationsmodell: Auch ohne Tiefbau-Expertise sicher kalkulieren

Ergänzend dazu gibt es ein separates Kalkulationsmodell. Es fragt Straßenart, Oberfläche sowie Länge, Breite und Tiefe ab und kalkuliert automatisch korrekt. Eingebaut sind Grenzwerte nach DIN-Normen: Bei 30 cm Grabenbreite ist beispielsweise maximal 70 cm Tiefe erlaubt – wer den Wert überschreitet, wird gebremst. So können auch Mitarbeitende ohne tiefes Tiefbau-Fachwissen Kalkulationen sicher durchführen.

Der Unterschied zum Abrechnungsmodell liegt in der Eingabegenauigkeit: Kalkulationen entstehen vor Baubeginn mit Schätzwerten und prozentualen Zulagen, Abrechnungen basieren auf den tatsächlichen Aufmaßen vor Ort. Staffelpositionen lassen sich direkt im Modelldesigner mit den Dummy-Positionen verknüpfen und sind damit auch im Modell sofort nutzbar.

CRP Anwenderrunden, Newsletter und LinkedIn

Die CRP Anwenderrunden bieten regelmäßig Raum für Praxisbeispiele und Austausch zu Themen wie Abrechnung, Kalkulation und Digitalisierung in EVUs und Stadtwerken.

Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen und insbesondere an Herrn Gerzen von den Stadtwerken Lünen für die anschauliche Vorstellung.

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