Tiefbauleistungen sind im Netzbau einer der größten Kostentreiber. Gleichzeitig ist Tiefbau selten „Standard“: Oberflächen, Bodenklassen, Wiederherstellung, Nebenarbeiten und regionale Vorgaben führen schnell zu Varianten, die in der Kalkulation und Abrechnung sauber abgebildet werden müssen.

In der CRP Anwenderrunde „Tiefbau-Modelle“ am 13.02.2026 wurden vier unterschiedliche, praxiserprobte Modelle vorgestellt. Sie zeigen, wie Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen (EVUs) mit eigenem Netz die Erfassung so gestalten, dass Ergebnisse belastbar, nachvollziehbar und im Alltag handhabbar bleiben.

Danke an die Referenten: Herr Spiekermann (Stadtwerke Witten), Jürgen Fuchs (Würzburg), Marc Rechthaler (Nürnberg) und Swen Fischer (WEMAG Schwerin).

Fazit:

  • Vier Modelle zeigen unterschiedliche Schwerpunkte: von „einfach & bewährt“ bis „granular & variantenreich“.
  • Die Unterschiede entstehen vor allem durch regionale Vorgaben und unterschiedliche Leistungsverzeichnis‑Strukturen (LV).
  • Entscheidend ist die Balance zwischen Detailtiefe, Nachvollziehbarkeit und schneller Erfassung im Alltag.

Warum Tiefbau-Modelle im Alltag den Unterschied machen

Ein „gutes“ Tiefbau-Modell hilft nicht nur bei der technischen Erfassung. Es schafft Struktur für die gesamte Leistungskette:

  • Erfassung vor Ort anhand klarer Parameter statt Interpretationsspielräumen
  • Vergleichbarkeit über Projekte hinweg (auch über mehrere Jahre)
  • Transparenz in Kalkulation und Abrechnung
  • Entlastung der Mitarbeitenden, weil wiederkehrende Fälle schnell abbildbar werden

In der Runde wurde außerdem deutlich: Viele arbeiten mit ähnlichen Herausforderungen, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die Unterschiede ergeben sich häufig aus Geografie (Stadt vs. Land), Sparten und regionalen Vorgaben.


Vier Praxis-Modelle aus der Anwenderrunde

1) Stadtwerke Witten: „Einfach, bewährt, komplett“ (seit 1996)

Das Modell der Stadtwerke Witten ist bewusst einfach gehalten und seit vielen Jahren im Einsatz. Ziel ist eine Erfassung, die schnell funktioniert und trotzdem die wesentlichen Faktoren abdeckt:

  • Erfassung von Gräben über Oberflächen, Länge, Breite, Zulagen (zum Beispiel Bodenklasse 6), Verfüllung und Pflaster.
  • Zweites Modell für Baustelleneinrichtung (zum Beispiel Lichtzeichenanlagen, Überwege).
  • Keine Positionsnummern nötig. Die Eingabe erfolgt „anhand dessen, was vor Ort sichtbar ist“.

Ein wichtiger Gedanke aus Witten: Bedienbarkeit ist entscheidend, auch für Personen ohne tiefes LV-Know-how.


2) Würzburg: Detailliertes Modell für viele Varianten im Tiefbau

Der Ansatz der Stadtwerke Würzburg (WVV) ist deutlich variantenreicher und bildet viele Situationen granular ab. Erfasst werden unter anderem:

  • Länge, Breite, Tiefe.
  • Mehrere Bodenklassen innerhalb eines Grabens.
  • Unterschiedliche Oberflächenaufbrüche (Bitumen, Pflaster, Beton) mit Stärken und Tragschichten.
  • Möglichkeit zur Eingabe der Oberflächenwiederherstellung.
  • Separater Ausweis für Aushubverwendung inklusive Zwischenlagerung mit oder ohne Transport und Entsorgung nach Deponieverordnung.
  • Nebenarbeiten wie Eisenbewehrung, Verdübeln, Fräsen, Randeinfassungen, Rohre, Kabelabdeckungen, Sockel, Schutzrohreinbau, Mauerwerk.

Aus der Diskussion heraus: Handschachtung ist in Würzburg nicht mehr Teil des Modells und wird nicht separat vergütet, sondern pauschal mit abgebildet.


3) Nürnberg: Kalkulationsmodell mit Normbezug (DIN 4124) und Visualisierung

Das Nürnberger Modell (u. a. aus dem Umfeld der N-ERGIE) ist primär für Kalkulationen gedacht und bewusst simpel gehalten. Gleichzeitig bringt es zwei starke Praxisaspekte zusammen:

  • Straßenkategorie (Nebenstraße vs. Hauptstraße) ist relevant, weil unterschiedliche Verlegevorschriften greifen.
  • Automatische Berechnung des Grabenprofils nach DIN 4124 direkt im Modell.
  • Visuelle Unterstützung: Rohr- und Kabelquerschnittsymbole blenden sich automatisch ein.
  • Parameter wie Baugrube, Umsteifung und Oberflächen sind anpassbar.

4) WEMAG Schwerin: Schnellkalkulation für Angebote (inkl. Kabellegung & Montage)

Für schnelle Kundenangebote wurde ein Modell der WEMAG Schwerin vorgestellt, das mit wenigen Eingaben eine Schnellkalkulation ermöglicht. Es beinhaltet nicht nur Tiefbau, sondern auch Kabellegung und Montage.

Typische Eingaben sind:

  • Spannungsebene
  • Straßenlänge
  • Grabenanteil (zum Beispiel bei geteilten Gräben mit Breitband)

Dazu kommen feste Werte, automatische Berechnung, wahlweise Pauschalplanung oder detaillierte Eingaben und integrierte Materialpreise.

Der Ansatz wird bei WEMAG erfolgreich für den Großteil der Breitbandverkabelung genutzt.


Kurz eingeordnet: Was zählt bei Tiefbau‑Modellen wirklich?

Die Runde hat eine hilfreiche Perspektive geliefert: Auch wenn die Modelle unterschiedlich sind, drehen sie sich um ähnliche Kernthemen. Unterschiede entstehen vor allem durch regionale Vorgaben und LV-Strukturen.

Drei pragmatische Leitfragen für EVUs und Stadtwerke, die ihr Modell weiterentwickeln wollen:

  1. Wie viel Detailtiefe ist wirklich nötig, damit Abrechnung und Nachvollziehbarkeit funktionieren, ohne die Erfassung zu verlangsamen?
  2. Welche Variablen treiben bei uns die Komplexität (Oberflächen, Bodenklassen, Nebenarbeiten, Entsorgung, Wiederherstellung)?
  3. Wer arbeitet täglich mit dem Modell und wie wird sichergestellt, dass es auch ohne Spezialwissen bedienbar ist?


Austauschformate bei CRP

CRP-Anwendertag 2026 (18.–19.03.2026, Bodenheim bei Mainz)

Der CRP-Anwendertag 2026 findet am 18.–19.03.2026 in Bodenheim bei Mainz statt.

Weitere Informationen: https://crp.de/aktuelles/einladung-zum-crp-anwendertag-2026-das-event-fuer-innovative-energieversorgungsunternehmen

Anmeldung: per E-Mail an info@crp.de

Wenn das Tiefbau‑Modell gerade neu aufsetzt oder weiterentwickelt, lohnt sich der Austausch: In den CRP‑Formaten gibt es regelmäßig Praxisbeispiele und konkrete Erfahrungswerte aus Stadtwerken und EVUs.

CRP-Anwenderrunden

Regelmäßiger Praxis-Austausch zu Felix / Workform und Netzbauprozessen:

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