Viele Netzbetreiber planen ihre Bauprojekte im GIS, kalkulieren aber separat. Zwischen beiden Systemen entstehen dabei Medienbrüche: Längen werden manuell übertragen, Kabeltypen doppelt erfasst, Fehler könnten sich einschleichen. Die Feistritzwerke aus der Steiermark zeigen in einer CRP-Anwenderrunde, wie eine Schnittstelle zwischen WebGIS und Felix (CRP) diesen Bruch schließt — und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.
Die Feistritzwerke sind ein mittlerer Strom- und Glasfasernetzbetreiber in der Steiermark, flächenmäßig der zweitgrößte in der Region. Das Unternehmen besteht seit 1905 und nutzt GIS bereits seit 1992. Das WebGIS ist seit 2004 im Einsatz, Felix seit 2008. Die Integration von WebGIS und Felix besteht damit seit knapp zwei Jahrzehnten und ist durch kontinuierliche Weiterentwicklung gereift.
Die Projektierung beginnt im WebGIS: Der Planer zeichnet eine Projektfläche als Polygon und hinterlegt Projektparameter — Projektname, Projektart (Hausanschluss, Ortsnetzumbau, Mittelspannungsleitung, LWL-Verlegung oder Straßenbeleuchtung), Verantwortlichen, Starttermin und Status. Direkt in dieser Maske werden technische Grundparameter wie Stationsnummer, Ortsnetzname, Leitungsnummer und Leitungsname erfasst.
Innerhalb des Projekts stehen alle typischen Planungselemente zur Verfügung: Künetten, Baugruben, grabenloser Rohrvortrieb, Leerrohre, Mittelspannungsleitungen mit Stützpunkten, Muffen und Stationen, Niederspannungsleitungen, Kabelverteilschränke sowie LWL/Glasfaserleitungen.
Für Fremdleistungen wie Grabenarbeiten erfasst das System detaillierte Parameter: Künettenoberfläche (Wiese, Asphalt), Straßentyp, Grabenbreite und Grabentiefe. Leitungslängen werden automatisch berechnet. Bei Mastplanung werden Stützpunktnummer, Baujahr, Blitzschutz, Trägernorm, Mastform, Mastlänge und Fundamenttyp erfasst. Wer eine parallele LWL-Trasse plant, gibt Rohrdimensionierung und Abstand zur bestehenden Leitung an — das System zeichnet die Leitung automatisch neben der vorhandenen Trasse ein.
Das Ergebnis ist eine vollständige Übersicht über alle geplanten Komponenten: Stationen, Mittelspannungskabel, Stützpunkte, Niederspannungsleitungen, LWL-Rohre und Grabenarbeiten.
Der Export erfolgt mit einem Klick. Felix übernimmt dabei nicht nur die Rohdaten, sondern erzeugt automatisch die vollständige Projektstruktur mit Teilmaßnahmen. Die Aufteilung folgt den Auftragsarten: 20-kV-Leitung, Umspannstation, LWL-Arbeiten, Niederspannungs-Ortsnetz, Kabelverteilschränke, Hausanschlüsse und Fremdleistungen.
Kabeltyp und Länge werden direkt übernommen. Zusätzlich berechnet Felix automatisch Überlängen, etwa 14 Meter bei den ausgewählten Masten. In Felix ergänzt der Planer dann projektspezifische Details: Start- und Endpunkt des Kabels, Schalter, Muffen, Objektplatten, Kabelschutz, Erdung und Arbeitszeit. Stationsdaten wie Leitungsnummer, Stationsname, Stationstyp und Trafogröße werden vollständig aus dem GIS übernommen.
Klare Rollentrennung: Planung und Mengenermittlung im GIS, Kalkulation in Felix.
In Felix erfolgt die Kalkulation von Material, Tiefbau und Montage. Bei den Feistritzwerken werden diese nicht auf oberster Ebene getrennt, sondern gemeinsam kalkuliert. Amdere Leistungen werden separat geführt und nach MSB-Fremdleistung, Niederspannungsfremdleistung und Kundenfremdleistung unterteilt.
Für Straßenarbeiten können Asphaltdicke und Erneuerungsarbeiten direkt aus dem GIS-Wert (Oberfläche, Länge, Breite) ermittelt werden. Die Reportauswahl ist flexibel: Es lassen sich Gesamtansichten oder getrennte Ansichten für Tiefbau, Material und Montage abrufen.
Die fertige Kalkulation wird an das ERP-System Navision übergeben. Felix legt dabei Aufträge mit Kostenstellen und Auftragsnummern an. Material- und Fremdleistungsbestellungen erfolgen dann aus Navision heraus.
Die Schnittstelle zwischen WebGIS und Felix wurde von CRP programmiert. Technisch basiert sie auf Skripten, die auf der Standard-GIS-Schnittstelle aufsetzen. Ein übergeordnetes Skript entscheidet für jedes Metadatum, welches Felix-Modell aufgerufen und welche Variable befüllt wird. Eine Anpassung des Felix-Standards ist dafür nicht erforderlich.
Die Technik ist übertragbar und bei mehreren Kunden bereits im Einsatz. Dabei gilt: Je besser die GIS-Metadaten gepflegt sind, desto vollständiger und fehlerfreier ist die Datenübernahme in Felix.
Wer auf der „grünen Wiese" startet, also weder bestehende Metadatenstruktur im GIS noch Felix-Modelle hat, hat dabei den größten Gestaltungsspielraum. Modelle lassen sich dann schlanker konzipieren, mit weniger Pflichtfeldern in der Bedienmaske und stärkerer Übernahme aus dem GIS. Bei gewachsenen Systemen wie den Feistritzwerken sind die Strukturen historisch bedingt komplexer, kann aber natürlich trotzdem umgesetzt werden.
Die WebGIS-Felix-Integration der Feistritzwerke zeigt, dass eine automatische Datenübernahme aus dem GIS in die Kalkulation technisch machbar und im Betrieb stabil ist. Voraussetzung ist eine konsequente Pflege der GIS-Metadaten und eine sorgfältige Modellentwicklung. Wer diese Arbeit investiert, gewinnt einen Workflow, in dem Längen, Kabeltypen und Stationsdaten nur einmal erfasst werden — und dann automatisch in Felix zur Kalkulation bereitstehen.
Die CRP Anwenderrunden bieten regelmäßig Raum für Praxisbeispiele und Austausch zu Themen wie GIS-Integration und digitaler Projektierung in EVUs und Stadtwerken.
Vielen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, insbesondere an Herrn Kosmatsch und Herrn Nisselberger von den Feistritzwerken für die detaillierte Systemvorstellung.
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CRP bietet smarte Softwarelösungen für Energieversorger mit eigenem Netz: Felix ⚙️ das kaufmännische Rückgrat im Netzbau & Workform 📄 die flexible Digitalisierung für Stützprozesse und Dokumentation.