Zuschläge und Rabatte in Felix steuern: Projektaufschläge, LV-Gruppenabschläge und kumulierte Aufmaße

Zuschläge und Rabatte gehören zum Abrechnungsalltag in Energieversorgungsunternehmen und bei deren Netzbau-Dienstleistern. Ob prozentualer Aufschlag für eine Fremdfirma, abhängig von den Gesamtkosten, baugebietsabhängige Preisunterschiede, saisonale Anpassungen oder Zeitvertragsstaffeln: Felix bildet diese Modelle über verschiedene Mechanismen ab. Beim jüngsten Felix-Anwendertreffen standen sie im Mittelpunkt einer Live-Demo mit anschließender Diskussion.

Zur Einordnung vorab: Ein Leistungsverzeichnis (LV) ist die strukturierte Liste aller abzurechnenden Positionen mit ihren Preisen. Ein Aufmaß ist die Mengenerfassung der tatsächlich erbrachten Leistung. Auf Basis dieser beiden Größen entscheidet sich, welcher Zuschlag oder Abschlag am Ende auf welche Rechnungssumme wirkt.

Die wichtigsten Zuschlags- und Rabattmodelle in Felix

Beim projektbezogenen Zuschlag erhält eine Fremdfirma die LV-Preise zuzüglich eines prozentualen Aufschlags. Dieser Aufschlag kann direkt aus dem ERP an an Felix übergeben werden, sodass die Angaben in der Projektkarte nicht manuell nachgezogen werden müssen und bei der Abrechnung immer die richtigen Preise gezogen werden.

Der Kleinbaustellenzuschlag, ein pauschaler Aufschlag bei Unterschreiten einer definierten Mindestsumme, wird in manchen Organisationen historisch verwendet und mit der Schlussrechnung angezogen. In neueren Konstellationen kommt er seltener zum Einsatz, bleibt aber als Funktion verfügbar.

Deutlich flexibler sind die LV-Gruppenabschläge. Sie ermöglichen Zuschläge oder Abschläge, die sich gezielt auf einzelne Positionsgruppen im LV beziehen, etwa auf Tiefbaupositionen, während andere Gruppen unverändert bleiben. Gruppen ohne Zuschlag werden schlicht nicht eingetragen. Ergänzend lassen sich über Positionsausnahmen einzelne Posten aus einem Zuschlag oder Rabatt herausnehmen. Wie die Ansicht in Felix konkret dargestellt wird, hängt zudem von der Konfiguration der Organisation ab: Ein Energieversorger sieht andere Felder als ein reiner Netzbau-Dienstleister.

Bezirkszuschläge (BZ1 bis BZ4): flexibel für Region, Zeitraum und Saison

Als Teil der LV-Gruppenabschläge stehen vier Bezirksspalten zur Verfügung, benannt BZ1 bis BZ4. Sie lassen sich per Dropdown in der Projektkarte auswählen und tragen für dasselbe LV je nach ‘Bezirk’ unterschiedliche Prozentsätze.

Ursprünglich waren die vier Bezirke als geografische Gebiete gedacht, etwa zur Unterscheidung zwischen dichter Innenstadt und offenem Umland. Dort fallen Verkehrssicherung, Oberflächenaufwand und andere Faktoren sehr unterschiedlich aus, was sich in Zu- oder Abschlägen abbilden lässt. In der Praxis werden die vier Spalten aber auch zeitlich eingesetzt, zum Beispiel um Vorgänge vor und nach einer Preisanpassung zu unterscheiden, ohne dass zwei parallele LVs gepflegt werden müssten. Im Anwendertreffen wurde zudem eine dritte Einsatzvariante diskutiert: saisonale Zuschläge, etwa ein Aufschlag für Arbeiten unter Hitzebedingungen im Sommer oder unter besonderen Winterbedingungen. Dasselbe Werkzeug lässt sich also für ganz unterschiedliche Anwendungslogiken nutzen.

Kumulierte Aufmaße und Teilrechnungen korrekt abrechnen

Eine praxisnahe Frage aus dem Anwenderkreis betraf die zeitvertragsbasierte Abrechnung mit mehreren Aufmaßen: Wenn sich Rabattstufen kumuliert, also über alle Aufmaße hinweg, ändern, weil erst die Gesamtsumme die nächste Rabattschwelle erreicht, wie wird das dann korrekt abgerechnet?

Beispiel: Auf das erste Aufmaß über 10.000 € greift ein Rabatt von 5 %. Ein zweites Aufmaß von 15.000 € kommt hinzu, sodass die kumulierte Summe 25.000 € beträgt und die Rabattstufe von 15 % erreicht ist. Die Differenz aus den beiden Rabattstufen muss dann auf der zweiten Rechnung nachgezogen werden.

Der vorgestellte Lösungsansatz: Der Zuschlag beziehungsweise Rabatt wird erst bei der Schlussrechnung vollständig angezogen. Felix betrachtet das Aufmaß immer kumuliert, sodass sich Differenzbeträge auf dem letzten Beleg ausgleichen lassen. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Vereinbarung mit den beteiligten Dienstleistern, dass die Abrechnung über kumulierte Aufmaße und Teilrechnungen erfolgt. Als offener Punkt für die Weiterentwicklung wurde eine bessere Darstellbarkeit im Report für die Tiefbaufirmen benannt, damit im Rechnungsdokument transparent bleibt, welcher Rabatt bereits gezogen und welcher noch nachzuholen ist.

Offene Themen aus dem Anwendertreffen

Über die Zuschläge hinaus wurden zwei Themen angerissen, die in kommenden Runden vertieft werden sollen. Zum einen die Frage, wie sich die Passwortabfrage bei Freigaben, etwa bei Aufmaßsperren, trotz zentraler Anmeldung über LDAP komfortabler lösen lässt. LDAP ist ein Verzeichnisdienst zur zentralen Benutzerauthentifizierung. Er ersetzt das Anmelden mit Felix-Passwort, an sicherheitsrelevanten Freigabepunkten bleibt die Passworteingabe aber bewusst bestehen. Diskutiert wurde, wie sich das Konzept gestalten lässt, ohne die Freigabe zu entwerten.

Zum anderen der Themenkomplex Materialverkauf an Tiefbaufirmen. In manchen EVUs wird das Material an die beauftragte Tiefbaufirma verkauft, in anderen wird es lediglich beigestellt. Beide Modelle haben Konsequenzen für Bestellprozesse, Preisbildung und Abrechnung in Felix. Die konkreten Fragen dazu werden für eine spätere Runde aufbereitet.

Fazit

Das Anwendertreffen zeigte, wie differenziert sich Zuschläge und Rabatte in Felix abbilden lassen: von einfachen projektbezogenen Aufschlägen über positionsgenaue LV-Gruppenabschläge bis hin zu flexibel nutzbaren Bezirksspalten für Region, Zeitraum oder Saison. Entscheidend für eine saubere Abrechnung über mehrere Aufmaße hinweg ist die kumulierte Betrachtung in Kombination mit klaren Vereinbarungen zwischen Auftraggeber und Dienstleister.

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Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen für die offene Diskussion und die geteilten Praxiseinblicke.

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